Ortsteil-Porträt Lechenich: Die Burg, das Kruzifix und die Hexenrichter
Foto: Landesburg Lechenich — Wikimedia Commons (CC-Lizenz)
Lokales

Ortsteil-Porträt Lechenich: Die Burg, das Kruzifix und die Hexenrichter

Lechenich war jahrhundertelang der Machtssitz der Region — Sitz des kurkölnischen Amtes, Gerichtsort und Ort eines der berüchtigtsten Hexenprozesse des Rheinlands. Wer durch die Altstadt geht, betritt eine Stadt, in der Erzbischöfe, Hexenrichter und ein blutendes Kruzifix ihre Spuren hinterließen.

Zwei Ubier und ein Weihestein

Am heutigen Nordrand von Lechenich befand sich eine jungsteinzeitliche Siedlung — bei Sportplatzbauarbeiten 2010 stieß man auf Gräber aus der Zeit um 4950 vor Christus. In römischer Zeit lag hier ein Vicus an der Straße nach Aachen.

Ein Name, der 2.000 Jahre überdauerte

Zwei Ubier, „Ialehenius" und „Challinius", errichteten den Matronae Lanehiae einen Weihestein — sein Name lebt bis heute im Ortsnamen Lechenich weiter. Der Stein selbst steht im Rheinischen Landesmuseum Bonn.

Die Landesburg: Eine Staufer-Burg aus Feldbrandziegel

Die Landesburg Lechenich ist eine der frühesten großen Bauten im Rheinland, die in Feldbrandziegel errichtet wurde — eine Bauweise, die die Staufer aus Italien nach Deutschland brachten. Erzbischof Heinrich II. von Virneburg ließ sie ab 1306 errichten; ihr Wohnturm entstand zwischen 1306 und 1317. Wer vor der Burg steht, sieht eines der mächtigsten Zeugnisse mittelalterlicher kurkölnischer Macht.

Die Vorgängerin, die 1301 zerstört wurde

Davor gab es bereits eine ältere Burg im Südwesten der Stadt — sie fiel 1301 einem Befehl König Albrechts zum Opfer, der Graf Gerhard von Jülich mit der Zerstörung beauftragte. Die Tranchotkarte von 1810 zeigt ihre Gräben noch offen. Wer genau hinsieht, erkennt die Spuren im Gelände bis heute.

Die Hexenprozesse: Kurfürst Ferdinands Kreuzzug

Im 17. Jahrhundert wurde die Landesburg zum Zentrum grausamer Hexenprozesse. Kurfürst und Erzbischof Ferdinand von Bayern machte die Bekämpfung der „Zauberei" zu seiner Aufgabe — 1607 entstand die „kurkölnische Hexenordnung". Die ersten aktenkundigen Prozesse fanden bereits 1604 in Lechenich statt, am Sitz des Haupt- und Hochgerichts.

Sofia Agnes von Langenberg: Die „lebende Heilige" in der Pütz Cammer

Der spektakulärste Fall war der Prozess gegen Sofia Agnes von Langenberg im Jahr 1626. Die Konventualin des Kölner Klosters St. Klara galt in Köln als lebende Heilige — bis ein blutendes Kruzifix in ihrer Zelle Zweifel weckte. Generalvikar Johann Gelenius lieferte sie persönlich nach Lechenich, wo sie in der „Pütz Cammer" des Schlosses gefangen gehalten wurde.

Der Fall Langenberg · Vatikanisches Archiv

Der Fall erlangte überregionale Bedeutung; die Akten liegen heute im Vatikanischen Archiv in Rom. Mit diesem Prozess begann eine Verfolgungswelle, in der von 1628 bis 1632 zahlreiche Frauen und Männer aus dem gesamten Amt Lechenich angeklagt wurden — aus Lechenich, Bliesheim, Köttingen und Erp.

Ein stummer Zeuge: In der Burgmauer ist der Grabstein des Mar Jacob eingemauert — ein jüdischer Stein aus dem nach den Pogromen von 1349 aufgelassenen Kölner Judenfriedhof.

Lechenich heute

Lechenich ist infrastrukturell gut ausgestattet — am Kreuzungspunkt der B 265 mit den Landesstraßen L 162 und L 263, nur wenige Minuten von der A 1/A 61 entfernt — und mit seinem historischen Altstadtkern, der Landesburg und dem Marktplatz ein lebendiger Ortsteil. Die Stadtverwaltung Erftstadt hat hier einen ihrer beiden Sitze.

Quellen: Wikipedia (Lechenich, Landesburg Lechenich, Erftstadt), Stadt Erftstadt (erftstadt.de), Stadtarchiv Erftstadt (Hexenverfolgung im Amt Lechenich), bastgen.de (Hexenprozesse Bliesheim), Albrecht Burkardt: „A false living saint" (Vatikanisches Archiv Rom), ErftstadtWiki (erftstadtwiki.de).

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